Die Michelin-Sterne lassen sich in Maastricht nieder
Am 7. Oktober findet die Zeremonie des MICHELIN-Führers statt. Bei dieser Gelegenheit werden die neuen Michelin-Sterne für die Niederlande verliehen. Die Verleihung findet während der 69. Ausgabe der Gastgewerbemesse BBB Maastricht - 7. bis 9. Oktober '24 - im MECC Maastricht statt. Im Jahr 2013 war Maastricht zum letzten Mal Gastgeber dieser Preisverleihung. Was bedeutet diese Neuvergabe für die nächsten drei und vielleicht sechs Jahre? Wir haben vier Personen gefragt, die sich dafür einsetzen, Maastricht und Umgebung kulinarische Exzellenz zu verleihen: Ad Veenhof, Silvie Slachter, Jules Goossens und Tamara Weide.
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Eine naheliegende Wahl
„Die Wahl für Maastricht ist mehr als logisch“, sagt Ad Veenhof, Vorsitzender von Maastricht Heuvelland Culinair. „Maastricht und Süd-Limburg bilden eine absolute Spitzenregion im gastronomischen Bereich. Von Brut172, De Leuf und Atelier im Heuvelland bis hin zu Studio, Tout à Fait und Novo New Dining in Maastricht. Diese und noch viele weitere Restaurants servieren himmlische und mit Sternen ausgezeichnete Gerichte und Weine.“
Hervorragende regionale Produkte
„Dabei kommen meist hervorragende regionale Produkte zum Einsatz. Ich wähle willkürlich einige Beispiele aus dem überaus umfangreichen Sortiment aus: Trüffel aus dem Trüffelgarten des Feinkostgeschäfts „de Eyserhalte“ in Eys und Bio-Sirup von Vandewall in Eckelrade. Und was ist mit dem international anerkannten Weingut „De Apostelhoeve“ in Maastricht? Ein stärkerer internationaler Durchbruch ist das Ziel von „Maastricht Heuvelland Culinair“. Als Beispiel nenne ich häufig die kulinarischen Regionen rund um Sevilla und Kopenhagen. Ich freue mich sehr auf die MICHELIN-Guide-Zeremonie. Zu Ehren von Maastricht und der umliegenden Region erhalten dadurch aber auch die Gastronomiemesse BBB Maastricht und MECC Maastricht einen zusätzlichen Impuls.“
Das Tüpfelchen auf dem i
Silvie Slachter ist Produktmanagerin bei MECC Maastricht und trägt die Gesamtverantwortung für alle internen und externen Belange im Zusammenhang mit der Michelin-Sterne-Organisation als Kunde. Was sind ihre Wünsche, seit sie weiß, dass in Maastricht Sterne vergeben werden? Genauso wie übrigens die neuen „Grünen Michelin-Sterne“ für nachhaltiges Unternehmertum und die Auszeichnungen für „Bib Gourmand“-Restaurants, also Restaurants mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Silvie: „Ich weiß jedenfalls, dass sich der Wunsch von Werner Loens erfüllt hat, der sich in diesem Jahr als Chefinspektor und Direktor des Guide Michelin Benelux verabschiedet hat. Er sah die Rückkehr der Michelin-Sterne-Verleihung nach Maastricht als das Tüpfelchen auf dem i, um es einmal ganz im Stil von Van der Valks auszudrücken.“
Ein schöner Ausgangspunkt
„Maastricht als ausgewählter Standort für die kommenden Jahre passt hervorragend zur limburgischen Vorliebe für gutes Essen und Trinken. Wir haben in Limburg zwar im Vergleich zu einigen anderen Provinzen nicht die meisten Sternerestaurants, aber dafür die größte kulinarische Ausdauer. Das liegt nun einmal in unserem Volkscharakter. Das zeigt sich auch an den vielen neuen Entwicklungen, nicht nur in Maastricht. Nehmen Sie Sittard. Dort entstehen immer mehr Fine-Dining-Restaurants. Die MICHELIN-Guide-Zeremonie ist zudem ein hervorragendes Sprungbrett, um der BBB Maastricht ihren Glanz zurückzugeben. Als Veranstalter dieser Messe hat MECC Maastricht in den vergangenen Jahren viel Energie darauf verwendet, den Spitznamen loszuwerden, den die BBB Maastricht eine Zeit lang trug: die „Bier- und Bitterballen-Messe“.
Verkostungsgläser
„Wir haben eine neue Marketingstrategie entwickelt und das Erscheinungsbild von BBB Maastricht angepasst. Darüber hinaus haben wir eine neue Getränkepolitik eingeführt. Dies geschieht unter anderem durch die Verwendung von Verkostungsgläsern. Das funktioniert für alle Beteiligten besser, als Bier in einem großen La-Chouffe-Glas zu servieren. Darüber hinaus beleuchten wir viermal im Jahr ein spezifisches Anliegen der Besucher von BBB Maastricht und lenken deren Aufmerksamkeit darauf. Inspiration, gehobene Gastronomie und grenzüberschreitendes Unternehmertum sind einige der Themen. Dank all dieser Bemühungen sind wir gemeinsam mit BBB Maastricht inzwischen von einer 6 auf eine 8 gestiegen.“
Neue Generation
Nicht nur BBB Maastricht durchläuft eine neue Entwicklung. Gleiches gilt für die Esskultur in den Niederlanden und vielen anderen Ländern. „Wir haben es mit einer neuen Generation von Menschen zu tun, die ganz eigene Erwartungen haben, wenn sie auswärts essen gehen“, erläutert Tamara Weide, Business Developer im Bereich Tourismus bei LIOF. „Noch vor nicht allzu langer Zeit waren Vegetarier und Veganer eine Ausnahme. Diese Zeit ist vorbei.“
Komfort und Effizienz
„Darüber hinaus legen junge Menschen Wert auf die Kombination aus Komfort und Effizienz. Sie möchten zwar ebenso wie die ältere Generation gut speisen, aber nicht stundenlang. Auch den Begriff ‚Gastfreundschaft‘ interpretieren sie auf ihre eigene Weise. So haben sie beispielsweise kein Problem damit, einen QR-Code zu nutzen, wie es bei der Restaurantkette Dadawan der Fall ist. Das zeigen auch die langen Warteschlangen. Während andere das digitale Bestellen als etwas betrachten, worüber man sich Sorgen machen muss, sehen sie darin gerade eine Erleichterung.“
Nachhaltigkeit
„Eine nachhaltige Zubereitung von Speisen findet bei einer wachsenden Gruppe von Verbrauchern Anklang. Nicht nur bei Vegetariern und Veganern. Immer mehr Küchen reagieren darauf, indem sie beispielsweise weniger Abfall produzieren und regionale Produkte verwenden. Die Transportwege sind dann relativ kurz, wodurch dieCO₂-Emissionen begrenzt bleiben. Auch die Michelin-Organisation unternimmt mit ihren „Grünen Michelin-Sternen“ Schritte, um Gesundheit und Nachhaltigkeit einen festeren Platz einzuräumen. Allerdings werden Gänseleber, Hummer und Kaviar nicht von heute auf morgen von der Speisekarte verschwinden, wenn man den ursprünglichen Charakter dieser Organisation betrachtet.“
Streekheldenplein
„Aber jeder Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Gastronomie zählt. Auch LIOF trägt dazu bei. Anlässlich der bevorstehenden MICHELIN-Guide-Zeremonie in Maastricht setzen wir uns dafür ein, in den kommenden Jahren mehr „Grüne Michelin-Sterne“ nach Limburg zu holen. In dieser Hinsicht ist unsere Provinz sozusagen noch ein Neuling, denn derzeit verfügen nur die Restaurants „Aan Sjuuteeänjd“ in Schinnen und „ONE“ in Roermond über einen solchen Stern. Aus diesem Grund haben wir unter anderem folgende Initiative entwickelt: Besucher der BBB Maastricht können dort auf dem sogenannten „Streekheldenplein“ lokale Lebensmittelproduzenten treffen. So erfahren sie mehr über regionale Produkte und deren Mehrwert.“
Bericht
„In diesem Zusammenhang verweise ich auch auf einen kürzlich erschienenen Bericht über die Trends im Gastgewerbe und im Freizeitbereich im Jahr 2040. Die aus diesem Bericht hervorgehende Prognose lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Wer in der Zwischenzeit die Augen vor der Nachhaltigkeit verschließt und dies auch weiterhin tut, wird im Jahr 2040 nicht mehr mithalten können.“
Produkte aus der Region
Neben Kreislaufwirtschaft und Vitalität ist auch die Nachhaltigkeit ein Hauptthema des Regionalen Lebensmittelsystems Limburg. Diese eigenständige Stiftung setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 2021 dafür ein, gesunde, nährstoffreiche Produkte aus regionalem Anbau auf den Markt zu bringen – und zwar zu einem fairen und transparenten Preis für alle Beteiligten in der Lieferkette. Jules Goossens ist Programmmanager beim „Regionalen Lebensmittelsystem Limburg“. „Es ist unser großes Ziel, dafür zu sorgen, dass im Jahr 2030 25 % des regionalen Verbrauchs aus regionalen Produkten bestehen – sowohl im Bereich der Lebensmittel als auch der Getränke. Derzeit liegt dieser Anteil bei 2 bis 3 %.“
Wirtschaftliche und kulinarische Bedeutung
Auf Anfrage von LIOF organisiert und moderiert das Regionale Ernährungssystem Limburg zum ersten Mal den „Streekheldenplein“ im Rahmen der BBB Maastricht. Jules ist hier einer der Referenten. Damit soll die Arbeit der Stiftung bekannter gemacht und deren wirtschaftliche sowie kulinarische Bedeutung für die Region unterstrichen werden. Jules: „In diesem Jahr findet auch die Plenarsitzung unserer Stakeholder am Veranstaltungsort der BBB Maastricht statt. Gleichzeitig greifen wir dort die Initiative der Michelin-Sterne-Organisation auf, durch die Verleihung der „Grünen Michelin-Sterne“ einer nachhaltigen Betriebsführung in der Gastronomie mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Verwendung lokaler Produkte ist dabei ein wichtiger Bestandteil.“
Neue Kartoffelsorte
Was sind Beispiele für lokale Produkte mit reinen Zutaten? Jules: „Das reicht von Kirschsaft und Haselnusscreme bis hin zu Energieriegeln und Küchlein, die unter anderem im Spitzensport und im Gesundheitswesen zum Einsatz kommen.“ Ein weiteres Beispiel: In Zusammenarbeit mit limburgischen Landwirten und der Wageningen University & Research arbeiten wir derzeit an der Entwicklung einer neuen Kartoffelsorte, die wir im limburgischen Lössboden anbauen möchten. Dabei war mehr Vielfalt einer der Ausgangspunkte. Wir möchten aber auch weniger abhängig von ausländischen Kartoffelproduzenten sein, um die Nachfrage nach Kartoffeln problemlos decken zu können.“