Die Geschichte des Dinghauses in Maastricht
Besucher und Einwohner von Maastricht blicken buchstäblich und im übertragenen Sinne zum Dinghuis auf. Das liegt in erster Linie an seiner schlanken und hochgewachsenen Erscheinung. Mit fast dreißig Metern war es lange Zeit das höchste Bauwerk Maastrichts. Darüber hinaus steht das Dinghuis seit seiner Errichtung im späten Mittelalter noch immer stolz da und steckt bis unter das Dach voller interessanter Geschichten. Wir tauchen ein in die Vergangenheit dieses Gebäudes mit dem auffälligen Namen.
Gerichtshof
Der Name Dinghuis leitet sich von dem germanischen Wort 'Ding' ab, das 'Recht' bedeutet. Auch heute noch sprechen wir von einem 'kurzen Gericht'. Das Gebäude an der Ecke Kleine Staat und Grote Staat war bis Mitte des 17. Jahrhunderts ein Gerichtsgebäude. Nicht selten wurden Gefangene im Keller gefoltert, um ein Geständnis zu erlangen, wie es damals üblich war. Zur Vollstreckung der Todesstrafe stand das Schafott abwechselnd auf dem Vrijthof und auf dem Marktplatz. Der Pranger wurde für die körperliche Züchtigung verwendet. Diebe wurden buchstäblich 'an den Pranger gestellt'; sie hingen mit den Handgelenken und dem Kopf in einem Pranger. Und eine ehebrecherische Frau musste sich in den Spinnkäfig setzen, woraufhin sie bis zum Wahnsinn herumgedreht wurde. Ohne auf alle möglichen grausamen Details einzugehen: Im Bonnefanten sind noch verschiedene Hinrichtungsinstrumente zu sehen, darunter ein Teil eines Henkerschwerts und Brandeisen.
Aussichtspunkt
Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Rathaus am Markt eröffnet. Das Rathaus wurde zugleich zum neuen Sitz der Gerichte, wodurch das Dinghuis seine juristische Bestimmung verlor. Seit dieser Zeit hat das Dinghuis zahlreiche Funktionen erfüllt. So diente es unter anderem als Kulturerbezentrum, als Büro für ein Telekommunikationsunternehmen und beherbergte die Handelskammer. Im Zweiten Weltkrieg bezog der Luftschutzdienst das Dinghaus. Dieser Dienst wurde 1938, als Deutschland in Polen einmarschierte, gegründet, um die Bevölkerung vor Luftangriffen zu schützen. Der Turm diente als Aussichtsposten. Als Maßnahme gegen mögliche Bomben wurde im ersten Stock des Dinghauses ein Betonboden verlegt. Dieser führte später dazu, dass das Dinghaus absackte.
Poesjenellenkelder
In den 1950er Jahren befand sich das Poesjenellenkelder im Dinghuis. Dort bot Pieke Dassen viele Jahre lang Puppenspiele an. Und obwohl Pieke in Rotterdam geboren wurde, sahen und sehen ihn viele Maastrichter als einen echten Maastrichter. Der ehemalige Maastrichter Bürgermeister Philip Houben beschrieb ihn einmal als den Mann, der er war: Schauspieler, Maler, rastloser Kolorist, Puppendesigner und Puppenspieler. Piekes Sohn Manny Dassen hat zum Andenken an seinen Vater ein Wandgemälde im Hof des Dinghuis geschaffen. Es zeigt Pieke Dassen in Gesellschaft mehrerer Puppen, mit denen er so viele Kinder und Erwachsene unterhielt. Ein Grund mehr, im Maastricht Store vorbeizuschauen.
Die Uhr
Haben Sie sich jemals die Uhr im Tympanon des Dinghuis genau angesehen? Dies ist eine der ältesten Uhren in den Niederlanden und wenn Sie genau hinsehen, werden Sie feststellen, dass sie nur einen Zeiger hat. Und das ist der kurze Zeiger, um genau zu sein. Bis zum Bau des Rathauses auf dem Marktplatz war dies die einzige Einzeigeruhr in der Stadt. Daher auch ihr Name: die Ur-Uhr mitten wijzer, die Stundenuhr mit dem Zeiger. Im 15. Jahrhundert war diese Uhr Teil des De Lanscroon, eines Hauses am Grote Staat. Dort befand sich bis Mitte des 17. Jahrhunderts der untere Gerichtshof. Das Haus existiert nicht mehr, die Uhr aber schon. Außerdem ist sie seit ihrer Verlegung besonders gut zu sehen. Die Kette der Uhr läuft über mehrere Etagen. Jede Stunde dreht sich diese Kette und die Uhr ändert ihre Position.
Prunk- und Beletage
Im zweiten Stock des Dinghauses befindet sich ein interessanter Kaminsims. Darauf sind der Maastrichter Stadtstern, zwei Engel und der „Perroen“ abgebildet. Der „Perroen“ verweist auf die gleichnamige Sandsteinsäule auf dem Vrijthof, die wiederum an die Zeit erinnert, als Maastricht Teil des Fürstentums Lüttich war. Es ist unklar, wann der Kamin entstanden ist. Klar ist jedoch: Er wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Brüssel erworben. Möglicherweise auf dem Brüsseler Vossenplein, wo bis heute täglich der national und international bekannte „Flohmarkt“ stattfindet, wie die Belgier diesen Markt offiziell bezeichnen. Ein Stockwerk über dem Erdgeschoss des Dinghauses befindet sich ein sogenanntes „Bel-Etage“. Dies ist auch das Stockwerk, auf das die Freitreppe mit den beiden flankierenden Treppen führt. Viele bedeutende Gebäude verfügen über eine solche „Bel-Etage“. So verfügen beispielsweise das Rathaus in Maastricht und der Palast am Dam ebenfalls über eine solche. In früheren Zeiten diente das Erdgeschoss unter anderem der Anlieferung von Waren oder wurde als Speisesaal für die Wachen genutzt. Etwas höher, auf der Bel-Etage, tagten dann die hohen Herren.
Ein besonderes Denkmal
Zurück zum Äußeren, das im Laufe der Jahre unterschiedlich ausgesehen hat. Heute hat das Dinghuis drei Farben. Die Frontfassade ist grau und rot, die Seitenfassade braun. Früher sah es anders aus. Die Seitenfassade sah einst wie ein Fachwerkhaus aus, d.h. mit Lehm zwischen dem Holz anstelle der Ziegel, die später an ihre Stelle traten. Welche Farbe dieser Lehm hatte, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen. Möglicherweise war er weiß-gelb, wie die Farbe der Bonbonnière. Es könnte aber auch sein, dass der Lehm rot gestrichen war, die gleiche Farbe wie die des Johannisturms auf dem Vrijthofplatz. Übrigens war die Fassade einst mit verschiedenen Wappen verziert und hatte daher ein farbenfrohes Aussehen.
In den 1980er Jahren wurde das Dinghuis umgestaltet und das örtliche Fremdenverkehrsamt zog in das Gebäude ein, den Vorgänger des heutigen Maastricht Store. Die letzte Restaurierung wurde 2021 durchgeführt. Dabei wurde unter anderem die Schiefereindeckung komplett erneuert und eine Zeitkapsel im Dachfirst installiert. Wenn Sie in der Gegend sind, sollten Sie dieses besondere Monument nicht nur von außen, sondern auch von innen bewundern!
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Dinghuis - Maastricht Store
Dinghuis - Maastricht Store
Der Maastricht Store befindet sich im Dinghuis, einem Gebäude mit einer langen Geschichte. Mehr Info über Dinghuis - Maastricht Store